Teilvorhaben

Katastrophenforschungsstelle (KFS), Berlin

Das Teilprojekt der Katastrophenforschungsstelle widmet sich der Analyse historischer, gesamtgesellschaftlicher und internationaler Prozesse, Strukturen, Dynamiken und Zuständigkeiten an der Schnittstelle von Bevölkerungsschutz, humanitärer Hilfe, Flucht und Migration.

Diese Analyse verfolgt einen Mehrebenenansatz: So werden sowohl Entwicklungen vor der europäischen Flüchtlingssituation 2015/16 als auch daraus resultierende Veränderungen im Bereich des Bevölkerungsschutzes, z.B. der Diskussion von neuen Strategien im Bereich des Zivilschutzes, als auch der internationalen humanitären Hilfe einbezogen. Neben einer Betrachtung der relevanten globalen Prozesse, insbesondere im Nahen und Mittleren Osten, werden europäische Verfahren wie die Bedeutung des europäischen Zivilschutzmechanismus (UCPM) bei der Bewältigung von Flüchtlingsbewegungen oder das humanitäre Engagement von DG ECHO von 2016-2019 in Griechenland reflektiert. Eine weitere Analyseebene ist der Zugang über – zum Teil im Rahmen der Flüchtlingssituation 2015/16 vollkommen neu entwickelten – Verfahren und Praktiken relevanter nationaler Akteure des Bevölkerungsschutzes (Behörden, Hilfsorganisationen usw.) oder des BAMF sowie von internationalen UN-Organisationen wie UNHCR und IOM und internationalen Hilfsorganisationen, die das Feld der humanitären Hilfe im Kontext der europäischen Flüchtlingshilfe bestimmen bzw. bestimmt haben. Durch eine organisationsübergreifende quantitative Befragung aller am Projekt beteiligten nationalen Bevölkerungsschutzorganisationen wird ein Überblick über Verfahren, Praktiken und Herausforderungen in der Betreuung großer Menschengruppen generiert. Diese Analysen dienen einerseits dem Erhalt bisher erlangten Wissens und Erfahrungen sowie der Anreicherung von vorhandenen Wissensbeständen mit Wissensbeständen anderer bislang wenig beachteter Wissensfelder. Am Ende werden nationale und internationale Best Practices erarbeitet, die als Grundlage für zukünftige Ausrichtungen des Bevölkerungsschutzes – nicht nur im Kontext von Flüchtlingslagen, sondern auch für andere grenzüberschreitende Szenarien des Bevölkerungsschutzes – dienen.

Projektleitung:

Prof. Dr. Martin Voss | martin.voss[at]fu-berlin.de | https://www.polsoz.fu-berlin.de/ethnologie/forschung/arbeitsstellen/katastrophenforschung/personen/Leitung/voss/index.html

Mitarbeiter*innen:

Dr. Cordula Dittmer | cordula.dittmer[at]fu-berlin.de | https://www.polsoz.fu-berlin.de/ethnologie/forschung/arbeitsstellen/katastrophenforschung/personen/mitarbeiter/dittmer/index.html

Daniel Lorenz | daniel.lorenz[at]fu-berlin.de | https://www.polsoz.fu-berlin.de/ethnologie/forschung/arbeitsstellen/katastrophenforschung/personen/mitarbeiter/lorenz/index.html

Deutsches Rotes Kreuz e. V. (DRK), Berlin

Das Teilprojekt des Deutschen Roten Kreuz Generalsekretariat widmet sich der Entwicklung praxisorientierter Empfehlungen für gelingende Kooperationen mit (Hilfs-)Organisationen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Das DRK war umfassend in der Flüchtlingshilfe 2015/16 aktiv. Dabei entstanden zahlreiche Kooperationen mit weiteren Akteuren wie Flüchtlingsinitiativen, Vereine und ungebundene HelferInnen, um die bestehenden Aufgaben und Herausforderungen bewältigen zu können. Diese ad-hoc etablierten Strukturen gilt es zu analysieren und auf eine generalisierbare Ebene zu überführen, um daraus Beispiel für Good Practices, Lessons Learned sowie Handlungsempfehlungen zu konzipieren. Dafür wird u.a. eine bundesweite Erhebung innerhalb des Verbandes durchgeführt. Zudem werden bereits vorhandene Wissensmanagementansätze die vom DRK genutzt werden analysiert, insbesondere jene, die ad-hoc entstanden sind und zivilgesellschaftliche Akteure miteinbeziehen, um Vorschläge für eine Weiterentwicklung dieser Ansätze und bestehenden Methoden machen zu können.

Projektleitung:

Matthias Max | forschung[at]drk.de | www.drk-forschung.de

Technische Hochschule Köln (TH Köln), Köln

Die TH Köln entwickelt in einem Teilprojekt die Systematik eines Wissensmanagementsystems für den Bevölkerungsschutz weiter. Dazu werden zunächst aufzunehmende Begriffe und Terminologien für ein Glossar zusammengestellt, in das sowohl grundlegende als auch neu zu erfassende Begriffe für Wissensmanagement aufgenommen werden, anhand dessen das Gesamtprojekt systematisch arbeiten kann. “Wissensmanagement” war im Bevölkerungsschutz zwar an sich schon seit langer Zeit ein Thema, wenn auch nicht unter diesem Begriff, die verschiedenen Projekt- wie externen Partner benötigen nun aber zunächst eine terminologische Basis, um zu wissen, was alles unter das Konzept “Wissensmanagement” fällt.

Wissensmanagementkonzepte aus der Wirtschaft und Organisationsforschung bieten zwar Beispiele, wie z.B. die Unterscheidung von organisatorischen und technischen Wissensmanagementkonzepten mit den dazu verbundenen Lösungen. So gibt es in vielen Organisationen und Einrichtungen etwa organisierte Treffen und Sitzungen zum Erfahrungsaustausch oder technische Lösungen wie etwa geteilte Datenbanken. Jedoch wurde auch deutlich, dass es für den Bevölkerungsschutz spezifische Anforderungen gibt. Zum Beispiel gab es trotz vorhandener Organisationsformen und technischer Lösungen immer noch Mängel bei der Erfassung, Dokumentation und dauerhaften Bereitstellung für verschiedene Akteure. Beinahe-Störfälle, Krisen, sowie neue unbekannte Lagen sind seltene, besonders ressourcenaufwändige Ereignisse, bei denen so viel Zeit und Energie in die Bewältigung fließt, dass wenig Zeit oder Aufmerksamkeit für die Dokumentation und deren anschließende Auswertung bleibt. Auch gibt es wenige Kenntnisse, wie man vermitteln kann, dass sich neben der ganzen bürokratischen Aufarbeitung, Berichterstellung und Bewältigung liegengebliebener Aufgaben der Aufwand für das Betreiben eines Wissensmanagements lohnen soll. Es gibt jedoch auch bereits relativ gängige Formen des Wissensmanagements, wie etwa De-Briefings, Tagungen, Lessons Learned Studien, und eben in gewisser Weise auch, Forschungs-Praxis Projekte wie WAKE, SiKoMi oder andere. Dennoch stellte sich in den Vorgängerprojekten die Bedeutung insbesondere der systematischen Belegbarkeit des Mehrwerts eines Wissensmanagements heraus. Dazu wurden gemeinsam mit den Partnern aus der Praxis Kriterien für den Mehrwert erarbeitet. Diese Arbeit wird die TH im WAKE-Projekt fortführen, indem sie etablierte Kriterien aus der Evaluierungsforschung und -praxis mit von den Nutzern genannten Kriterien für Wissensmanagement verbindet und weiterentwickelt. Mithilfe dieser können anschließend die in den BOS generell vorhandenen und potenziell adaptierbaren Ansätze des Wissensmanagements systematisch analysiert und evaluiert werden und Empfehlungen für ein valides Wissensmanagement im Bevölkerungsschutz entwickelt werden.

Projektleitung:

Prof. Dr. Alexander Fekete | alexander.fekete[at]th-koeln.de | www.th-koeln.de/personen/alexander.fekete/

Mitarbeiter*innen:

Celia Norf | celia.norf[at]th-koeln.de | www.th-koeln.de/personen/celia.norf/

Petra Tiller | petra.tiller[at]th-koeln.de | www.th-koeln.de/personen/petra.tiller/

Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., Leipzig

Die Johanniter-Akademie Mitteldeutschland untersucht im Teilprojekt „Wissensmanagement als Bildungsinhalt“ die verbandseigenen Strukturen der Flüchtlingssituation 2015 / 2016 mit Hinblick auf die Katastrophenschutz-Ausbildung in der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH). Die JUH war im gesamten Bundesgebiet (158 Standorte) im Katastrophenschutz und der Flüchtlingshilfe aktiv, woraus Handlungsempfehlungen aus der Praxis für die Zukunft abgeleitet werden sollen. Die informellen Wissensbestände und –quellen sollen analysiert, gesammelt und im Austausch mit den anderen Hilfsorganisationen nach wissenschaftlichen Kriterien im Sinne eines Wissensmanagementsystems strukturiert werden. Die Erkenntnisse gilt es in das bestehende Ausbildungssystem des Bevölkerungsschutzes zu überführen. Die Aus- und Weiterbildung im Bevölkerungsschutz muss sich an der soziodemographischen Entwicklung in Deutschland und der JUH orientieren und die aktuellen Erkenntnisse aus der Flüchtlingssituation 20215 / 2016 bei der Weiterentwicklung berücksichtigen. Neben Aufarbeitung der Lage und der Pilotierung migrationsspezifischer Ausbildungsinhalte nach Kriterien der Bevölkerungsschutzpädagogik, besteht die Wichtigkeit Handlungsempfehlungen für zukünftige migrationsspezifische und klassische Lagen zu entwickeln.

Projektleitung:

Thomas Kohns | thomas.kohns[at]johanniter.de

Jana Goldberg | jana.goldberg[at]johanniter.de

Mitarbeiter*innen:

Franz Peter | franz.peter[at]johanniter.de

Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW), Bonn

Die Sicherheitsforschung der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) befasst sich mit der Konzeption eines Systems zum strukturierten Bewahren, Aufarbeiten und zur Verfügung stellen des in Einsätzen erworbenen Wissens, um dieses für zukünftige Einsätze abrufbar und somit nutzbar zu machen. Dies wird exemplarisch anhand der Flüchtlingslage 2015/2016, durchgeführt.

Für die mehr als 9.000 Anforderungen, die das THW während der Flüchtlingslage abarbeitete, gab es an vielen Stellen keine der sonst bekannten Einsatzvorplanungen. Stattdessen kamen dort improvisierte Einzellösungen zur Anwendung. Diese Lösungen und das Wissen darum, wurden vielerorts nicht strukturiert erfasst oder geteilt und existiert dadurch oft nur personengebunden. Das Projekt soll zeigen, welches Wissen in der Lage vorhanden war und welche Methoden zur Weitergabe genutzt wurden. Dabei sammelt das Konsortium das im Bundegebiet gewonnene Wissen, erfasst, analysiert und arbeitet es auf. Dazu konzipieren die beteiligten MitarbeiterInnen des THW im Projektverlauf ein Wissensmanagementsystem anhand der Bedarfe und Anforderungen des THW, erproben und evaluieren es und führen es schließlich bundesweit im THW ein. Zusätzlich ist geplant, die gewonnenen Erkenntnisse in eine Wissensdatenbank einzuspeisen und in Ausbildungskonzepte einfließen zu lassen.

Projektleitung:

Klaus-Dieter Büttgen | forschung[at]thw.de